Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Vater und Sohn nach Höhlenbesuch vermisst 10.05.2005

ALFELD (DB1) - Einen nicht alltäglichen Einsatz hatten die FF Alfeld und Hersbruck am frühen Abend des 8. Mai 2005 zusammen mit weiteren Hilfsorganisationen zu bewältigen.

Gegen 19 Uhr wurde der Kommandant der FF Alfeld davon in Kenntnis gesetzt, das seit 16 Uhr ein 45-jähriger Familienvater und sein 7-jähriger Sohn von einer Exkursion in die Windloch-Höhle nicht nach Hause zurückgekehrt sind.

Bei der Windloch-Höhle handelt es sich um eine Karst-Höhle im sogenannten Schwarzenberg südlich von Kauerheim, Gemeinde Alfeld, mit einer Länge von 2,2 km. Die Zufahrt führt über einen schmalen Waldweg, der ungefähr 400 Meter vor der Höhle endet, der Rest des Weges muss zu Fuß über einen Trampelpfad zurückgelegt werden. Eine Wendemöglichkeit für Großfahrzeuge besteht nicht. Der Zugang zur Höhle ist nur durch ein ca. 40 x 40 Zentimeter breites Schlupfloch möglich. Zum Zeitpunkt der Alarmierung war es stark Bewölkt, später setzte Nieselregen ein, es herrschte eine Temperatur von 8 bis 10 Grad.

Der Eingang zur Höhle
Durchgang in der Höhle Richtung Unglücksstelle

Nach Eingang der Vermisstenmeldung wurden durch Kdt. Lehnerer einige Aktive alarmiert, um mit den Fahrzeugen der FF Alfeld nach dem Pkw des Familienvaters zu suchen. Zusätzlich wurde ein Trupp zum Eingang der Höhle gesendet. Auch befand sich ein Polizeihubschrauber in Einsatz, welcher mit einer Wärmebildkamera die nähere Umgebung der Höhle absuchte.

Durch diese Maßnahmen sollte überprüft werden, ob sich die Personen noch im Bereich der Höhle aufhalten. Gegen 19 Uhr 45 wurde der Wagen an einen Waldparkplatz bei Nonnhof von der Feuerwehr aufgefunden. Durch die Rettungsleitstelle Nürnberg wurde daraufhin zusätzlich zum Rettungsdienst die Bergwacht Lauf, sowie die Höhlenrettungsgruppe der Bergwacht Bamberg alarmiert, da von einem Unglücksfall in der Höhle auszugehen war.

Gleichzeitig lies KBI Thiel die FF Alfeld und die FF Hersbruck mit RW2, V-LKW und ELW zur technischen Unterstützung alarmieren. Zusätzlich kam noch die UG-ÖEL zum Einsatz.

Als erste Maßnahme wurde an der Staatsstraße 2236 bei der Abzweigung zur Höhle ein Bereitstellungsraum eingerichtet und durch die FF Alfeld ein Lotsendienst für die nach und nach eintreffenden Rettungskräfte bereitgestellt.

Einsatzkräfte der Feuerwehr beim Einsatz an der Höhle
Höhlenretter bereiten sich auf ihren Einsatz vor
Vorbereitung der Rettung

Als weitere Aktion musste mit dem MZF der FF Alfeld und einem privaten Allradfahrzeug das Notstromaggregat, der Beleuchtungssatz sowie zwei Motorsägen zur Einsatzstelle gebracht werden. Hiermit konnte der Zugang zur Höhle ausgeleuchtet und der Waldweg für den Rettungsdienst vom Unterholz und Ästen freigeschnitten werden. Die Feuerwehr musste auch einige Bäume fällen, um eine Zufahrt zu schaffen. Später wurden auch noch das Notstromaggregat und der Beleuchtungssatz der FF Hersbruck zum Ausleuchten des Weges vorgenommen. Außerdem musste auf Anforderung des Rettungsdienstes noch Schaufeltrage, Rettungstuch und Korbtrage, heiße Getränke und warmes Wasser sowie medizinisches Gerät zur Einsatzstelle gebracht werden.

Die Rettung als solche gestaltete sich äußert schwierig. Gegen 21:20 Uhr wurden die beiden Verunglückten ungefähr 150 Meter tief in der Höhle durch Kameraden der Bergwacht und der Höhlenrettungsgruppe aufgefunden. Der Vater hatte sich bei einem Sturz eine Fraktur am linken Bein sowie eine Platzwunden am Kopf zugezogen. Darüber hinaus bestand Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung. Sein Sohn war äußerlich unverletzt, allerdings stark unterkühlt. Er wurde als erster aus der Höhle gerettet. Der Mann musste nach der notärztlichen Erstversorgung durch einen Arzt der Bergwacht mittels Schaufeltrage und Korbtrage unter extremsten Bedingungen von den Höhlenrettern zum Ausgang gebracht werden. Gegen 23:30 Uhr wurde er dann mit dem Einsatzfahrzeug der Bergwacht zum Bereitstellungsraum gebracht und in den RTW umgeladen, welcher ihn dann ins Krankenhaus Lauf einlieferte.

 
Einstieg der Bergwacht in die Höhle
Abtransport der Verletzten durchs BRK

Um 00:00 Uhr konnten die über 50 Einsatzkräfte den Einsatz beenden und an ihre Standorte zurückgehren.

Fazit:

Als sehr hilfreich hat sich der Bereitstellungsraum sowie der Lotsen- und Transportdienst durch die ortskundige Feuerwehr erwiesen. Direkt zum Einsatzort konnten nur die Fahrzeuge vorgelassen werden, die absolut nötig und erforderlich waren.

Bei Einsätzen solcher Art sollte frühzeitig auf die Bereitstellung von warmen Getränken für die Einsatzkräfte und die Verletzten geachtet werden. Der letztendlich glückliche Ausgang des Unfalls ist u.a. der guten und vorbildlichen Zusammenarbeit der einzelnen Hilfsorganisationen zu verdanken.

Auf diesen Weg ein herzliches "Vergelts Gott" an die Wirtsleute vom Gasthof Berghof in Alfeld für die kostenlose Verfügungsstellung von Kaffee und Tee für die Einsatzkräfte.

Eingesetzte Kräfte:

KBR Pawelke, KBI Thiel, KBM Weidinger
FF Alfeld mit TLF16/24, LF8, MZF
FF Herbruck mit RW2, V-LKW, 2 x ELW

Polizei mit mehreren Streifenwagen und Polizeihubschrauber
Rettungsdienst
Bergwacht Lauf und Nürnberg
Höhlenrettungsgruppe Bamberg

Bericht: FF Alfeld
Fotos:
FF Alfeld, K. Rösel

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